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8.03.17 09:14 Alter: 3 yrs

Das Netzwerk „Kind.Sucht.Kompass“ veranstaltete am 27.02.2017 den Fachtag „Kinder aus suchtbetroffenen Familien“

Bericht von der Fachtagung „Kinder aus suchtbetroffenen Familien“ in Friedrichshain-Kreuzberg

Kinder aus suchtbetroffenen Familien werden häufig übersehen, da sich die Aufmerksamkeit des Umfeldes auf die Suchtthematik der Erwachsenen fokussiert. Der Bedarf der Kinder an Aufmerksamkeit, Zuwendung und Geborgenheit ist jedoch groß, da auch in ihrem Leben die Sucht der Bezugspersonen bestimmend ist und häufig wenig Raum für ihre eigene kindergerechte Entwicklung bleibt. Der Bedarf an Angeboten für diese Zielgruppe zeigte sich auch in der praktischen Arbeit der Kreuzberger Suchtberatungsstelle (Diakonisches Werk Berlin Stadtmitte e.V.). In der Folge wurde das Projekt „Vergiss mich nicht“ ins Leben gerufen, das Patenschaften an Kinder aus suchtbelasteten Familien vermittelt. Ergänzend dazu konnte der Träger mit Unterstützung des Bezirksamtes Friedrichshain-Kreuzberg eine Förderung mit Mitteln des Programms „Soziale Stadt“ für das Netzwerkprojekt „Kind.Sucht.Kompass.“ erhalten, das den Fokus auf die Kinder aus suchtbetroffenen Familien richtet. Dabei sollen Multiplikator*innen, interessierte Erwachsene und Kinder in Grundschulen und Kitas aufgeklärt werden über die Ursachen und Folgen von Suchterkrankungen, die Auswirkungen von Suchtbetroffenheit in der Familie auf die Kinder und wie diesen Kindern geholfen werden kann.

Das Netzwerk „Kind.Sucht.Kompass“ hat am 27.02.2017 den Fachtag „Kinder aus suchtbetroffenen Familien“ ausgerichtet, an dem 40 Fachkräfte u. a. aus den Bereichen der Kinder- und Jugendhilfe und der Verwaltung teilnahmen. Schirmherrin der Tagung war Marlene Mortler MdB, Drogenbeauftragte der Bundesregierung, die Grußworte sprach Knut Mildner-Spindler, stellvertretender Bezirksbürgermeister und Bezirksstadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg. Inhaltliche Schwerpunkte der Tagung waren die Aufklärung und Sensibilisierung von Fachkräften der Kinder- und Jugendhilfe zu der Thematik sowie die Eruierung des Bedarfes nach einer Vernetzung der relevanten Akteure.

In seinem Fachvortrag „Im Dschungel zwischen Sucht und anderen psychischen Störungen: Kinder im Spannungsfeld psychisch belasteter Familien“ gab Prof. Dr. Michael Klein einen Überblick über den Stand der Erkenntnisse zu dem Thema. Anke Schmidt von der Fachstelle für Suchtprävention Berlin gGmbH hielt einen Kurzvortrag mit dem Titel „Kernergebnissen zu Anforderungen an eine gelingende Kooperation der beteiligten Fachdienste, erarbeitet im Rahmen einer Fachdiskussion und Bestandsaufnahme im ‚Forum Prävention und frühe Intervention bei Kindern in suchtbelasteten Familien‘“. In der jeweils anschließenden Diskussion, die von Tanja Schmitz-Remberg moderiert wurde, ging es u. a. um die Identifizierung der betroffenen Kinder, die Erreichbarkeit der jeweiligen Eltern, den Widerspruch zwischen den zahllosen vorhandenen Konzepten und deren mangelhafter Umsetzung in der Praxis, die unterschiedlichen Arbeitsweisen der bezirklichen Kinderschutzteams sowie fehlenden Ansprechpartner*innen bei Fachdiensten und Bildungsinstitutionen. „Es gibt viele Ideen, aber Zeit und Geld sind nicht da“, so eine Teilnehmerin. Demgegenüber betonten die Vortragenden, dass es auch immer auf einzelne Personen ankomme und dass z. B. in der Schule oft schon das Signal ausreiche, für ein Kind da zu sein, es wahrzunehmen, um seinen Lebensweg positiv zu beeinflussen.Die anschließenden Workshops boten Übungsmöglichkeiten mit Elementen aus der Fortbildung: „Kind s/Sucht Familie“ sowie zum Thema „Ambivalenzen als Kernelement in der Arbeit mit suchtbetroffenen Eltern“.

Als ein Ergebnis der Fachtagung kann festgehalten, dass für einen Großteil der Teilnehmer*innen ein starker Wunsch nach „kurzen Wegen“, schneller Hilfestellung sowie bessere Information hinsichtlich bereits existierender Unterstützungsangebote besteht. Diese sind auch wichtige Impulse für die weitere Arbeit von „Kind.Sucht.Kompass.“

Wir bedanken uns herzlich bei den Teilnehmer*innen und Referent*innen für den gelungenen Fachtag.